Septembergrauen.

Gegen den Al-Quds-Marsch und gegen 1000 Kreuze

Neben einigen Nazi-Terminen in Berlin und der Restrepublik müssen im September zwei spezielle Paraden aufgemischt werden: Am 4.9. steigt in Charlottenburg der diesjährige „Al-Quds-Marsch“, und am 18.9. in Mitte der „Marsch für das Leben“.

Jahr für Jahr folgen Zehntausende dem Aufruf des iranischen Mullah-Regimes zum „Internationalen Al-Quds-Tag“. Sie demonstrieren für die „Befreiung Jerusalems“, also für die Zerschlagung Israels. Rund um den Globus sind diese Massenaufmärsche ein Kristallisationspunkt antisemitischer Hasspropaganda. Sie tragen den reaktionären Kulturkampf Teherans in die Welt und stützen so auch dessen bröckelnde Heimatfront. Im theokratischen Iran werden weiter regelmäßig Homosexuelle gehenkt, Frauen als „Ehebrecherinnen“ gesteinigt und Oppositionelle zu Tode gefoltert. Alles kein Problem für linke und rechte Verschwörungstheoretiker, die sich auch in diesem Jahr bei den Islamisten einreihen werden. Gegen den Berliner Aufmarsch demonstriert ein Bündnis antifaschistischer Gruppen, Start 12 Uhr am Nollendorfplatz. Ab 22 Uhr Soliparty in der Scharni (Scharnweberstraße 38, U5 Samariterstraße).

Der „Marsch für das Leben“ oder „Marsch der 1000 Kreuze“ ist Teil eines weltweiten religiösen Backlash. Christliche „Lebensschützer“ demonstrieren für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen, also gegen die Freiheit von Frauen, über ihr Leben und ihren Körper selbst zu entscheiden. Für eine fiktive Zahl täglicher Abtreibungen wollen sie 1000 Holzkreuze durch Berlin tragen, beten und singen. Die gleichermaßen rührselige wie bedrohliche Inszenierung ist Teil einer fundamentalistischen Offensive, die auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet, bis hinein in die Bundesregierung. Im letzten Jahr konnte ein linkes Bündnis den Marsch wirkungsvoll stören, und auch in diesem Jahr wird das eine oder andere Kreuz in der Spree landen. Christen nerven ab 12 Uhr am Alex (Liebknecht- Ecke Spandauer Straße).