„Da kämpft das Illusionäre gegen das Rechte“

Eine gemeinsame Veranstaltung der Wochenzeitung Jungle World und TOP B3RLIN

Rechte „Linke“ werben für die Rückkehr zur Kleinstaaterei in Europa, mit eigener Währung und homogenen Völkern. Ihnen ist die „nationale Souveränität“ das höchste Gut, geschlossene Grenzen ein Herzensanliegen, der „Brexit“ ein erfreulicher Schlag gegen die Eliten in Brüssel, den nachzuahmen sich die „EUREXIT“-Kampagne anschickt. Aus ihren Reihen hört man lobende Worte über den Front National. Gegen Angela Merkel wird der schlimmste Vorwurf aus dem Repertoire des Patriotismus erhoben: Sie diene gar nicht Deutschland, sondern der Großmacht jenseits des Atlantiks.

Dagegen – oder jedenfalls anders – positionieren sich die Europa-Reformierer*innen, z.B. der Zusammenschluss „DIEM 25“, die eine friedens- und sozialpolitisch vorbildliche, absolut transparente, basisdemokratisch kontrollierte EU mit runderneuerter Verfassung anstreben.

Da kämpft – so scheint es – das Illusionäre gegen das Reaktionäre. Oder verbindet die Lager mehr als auf den ersten Blick offensichtlich? Jedenfalls sind allerlei Anpassungsleistungen an Entwicklungen und Denken – das z.B. die Leipziger Studie „Die enthemmte Mitte“ erforscht hat – zu beobachten. Heimat und Liebe zur Nation oder Gebietskörperschaft stehen jedenfalls auch bei Repräsentant*innen der Zivilgesellschaft und manchen „Linken“ hoch im Kurs. Als Reflex auf faschistoide Entwicklungen wird der „Konsens der Demokraten“ und die „Volksfront“ gesucht. Nicht selten wird die „Zivilgesellschaft“ als Rettungsanker stilisiert (Georg Seeßlen).

Auch sind allerlei Bezichtigungen und Selbstgeißelungen unterwegs; die Linke habe die Proleten „verachtet, gemobbt, links liegengelassen“ (Christian Baron), müsse ihr „elitäres Politikverständnis“ überwinden und trage sonst die Schuld, wenn ...

In seinem vieldiskutiertem Buch über „Die Abstiegsgesellschaft“ hat Oliver Nachtwey ja lesenswertes empirisches Material zusammengetragen. Aber den politischen Schlussfolgerungen mag Thomas Ebermann nicht folgen.

Selbst Didier Eribon („Rückkehr nach Reims“), der oft sehr genau beobachtet, wenn Linke wie Rechte klingen, setzt seltsame Vokabeln in die Welt, wenn er meint, dass „die Arbeiter erst für den Front National, die AfD stimmen mussten, um auf sich aufmerksam zu machen“. Seine Interpretation, die Zustimmung zum FN sei „eine Art politische Notwehr der unteren Schichten“, ist zahlreich kopiert.

Und Slavoj Žižek („Der neue Klassenkampf“) bekämpft die Losung, die Ebermann für eine der wichtigsten hält, wenn Humanist*innen und Systemkritiker*innen sich nicht aufgeben wollen indem er [Žižek] sagt: „Die größten Heuchler sind fraglos diejenigen, die offene Grenzen fordern“. Vielleicht sind mehr als man denkt froh, dass die Festung Europa wieder hält, dass die „Flüchtlingskrise“ erledigt ist und man sich zustimmungsfähigeren Themen zuwenden kann: Der Ungerechtigkeit, der sozialen Ungleichheit, dem Neoliberalismus und den berechtigten Sorgen der einfachen Menschen?

Thomas Ebermann wird das hier nur Angerissene nachvollziehbar zitieren, darüber in freier Rede reflektieren und einiges keineswegs unpolemisch kommentieren.

DONNERSTAG, 16.3.2017 um 20 Uhr im neuen Festsaal Kreuzberg

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