„Wir“ und die „Anderen“

Islam, Mehrheitsgesellschaft und Rassismus in Deutschland
Mit Werner Schiffauer (Kulturwissenschaftler) und Toni Garde (Gruppe soziale Kämpfe)

Vom 19. bis 21.09.2008 veranstaltet die rechtsextreme Partei „Pro Köln“ einen „Anti-Islamisierungskongress“ in Köln, zu dem bis zu 1000 Teilnehmer der europäischen Rechten angekündigt werden. Ein breites Bündnis antifaschistischer und antirassistischer Initiativen und Organisationen ruft zu Protesten gegen den Kongress auf. Wir wollen am 10. September im Festsaal Kreuzberg über die Hintergründe eines sich formierenden anti-muslimischen Rassismus diskutieren und die Frage stellen, welche Konsequenzen diese Stigmatisierung für die Selbstzuschreibungen von Muslimen in Deutschland hat.

„Pro Köln“ greift mit dem Kongress in gesellschaftliche Auseinandersetzungen ein, in denen ‘der Islam’ im Zentrum steht – von Debatten über Einwanderung und nationale Identität bis zur Sicherheitspolitik. Spätestens seit der – zumindest offiziellen – Anerkennung, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, sowie den Anschlägen vom 11. September avanciert der Islam dabei zunehmend zur Kontrastfolie für das Selbstbild der Mehrheitsgesellschaft. Das selbstgerechte Beanspruchen von Demokratie, Säkularismus, Aufklärung und Universalismus für die eigene “Kultur” wird durch die Kämpfe von Muslimen um Teilhabe in Frage gestellt.

„Pro Köln“ und andere europäische Rechte versuchen in den Auseinandersetzungen um Moscheebauten gesellschaftliche Bündnisse zu schmieden: In Köln nahmen Rechtsextreme die Mobilisierung in die Hand und fanden breite Zustimmung in der Bevölkerung, in Berlin initiierten besorgte Bürger/innen einen so erfolgreichen Protest, dass die Neonazis nur noch aufspringen brauchten.

Toni Garde (Gruppe Soziale Kämpfe) verortet anti-muslimischen Rassismus u.a. in Kampagnen und Strategien des neoliberalen Blocks und der extremen Rechten, die in einer prekarisierten Gesellschaft ihren Widerhall finden. Der neoliberale Staat entsichert Lebensverhältnisse und verspricht statt sozialer Gleichheit Sicherheit gegen islamistischen Terror und die Folgen von Einwanderung. Integrationspolitik wird auf kulturelle Anerkennung reduziert, Migrant/innen werden auf diese Weise homogenisiert und als ‚Andere’ festgeschrieben.

Werner Schiffauer (hier sein Text “Vom Exil zum Diaspora-Islam als PDF) befasst sich mit dem Zusammenhang von Fremd- und Selbstzuschreibungen von Muslimen in Deutschland. Ihre Verortung erfolgt in einem Spannungsverhältnis von Bezügen auf das Einwanderungsland, auf das Herkunftsland sowie auf den Islam als Weltreligion. Schiffauer fragt nach den Konsequenzen aus Deutschlands Vorgehen, die Kämpfe von Muslimen um gesellschaftliche Teilhabe unter einen sicherheitspolitischen Vorbehalt zu stellen und gibt eine Einschätzung von DITIB, deren Moscheebaupläne zum Anlass des Kölner Kongresses genommen werden.

Informationen
Podiumsveranstaltung
von

Datum & Uhrzeit

10.09.2008 - 19:30

Ort

Skalitzer Straße 129
10999
Berlin