Materialismus, Feminismus, Kritik

Für den Vortragstag am 21.06.14 wird um Anmeldung gebeten unter: anmeldung2106@web.de

 

21.06.14 // 11.00-12.30 Uhr // Vortrag // Zum Androzentrismus der naturbeherrschenden Vernunft. // Johannes Bareuther

Im 17. Jahrhundert entsteht mit der Mechanik Galileis und Newtons ein neuer Typus mathematisch-experimenteller Naturerkenntnis. Etwa zeitgleich erreichen die brutalen Hexenverfolgungen ihren Höhepunkt. Ausgehend von der Ahnung, dass zwischen beidem ein Zusammenhang besteht, von dem die Naturwissenschaft selbst nichts wissen möchte, entwickelt der Vortrag einige Überlegungen zur feministischen Kritik der Naturbeherrschung im Anschluss an Horkheimer und Adorno.
Unter den Linden 6, Hörsaal 2002 im Hauptgebäude der HU

21.06.14// 13.00-14.30 Uhr // Vortrag // Natur = Grenze wertförmiger Vergesellschaftung? // Prof. Dr. Elvira Scheich
Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist, der Wert eine rein gesellschaftliche Größe bezeichnet, die an den Warendingen zum Ausdruck gebracht wird. Dies hat zur Konsequenz, dass die Produktionsprozesse vorrangig an den instrumentellen Verfahren der Naturbeherrschung ausgerichtet sind. Wie kontraproduktiv bzw. destruktiv, oder einfach nur unangemessen, eine solche Herangehensweise in vielen Problemlagen (gewesen) ist, ist vielfach und aus den verschiedensten Perspektiven beschrieben worden.
Aufgrund dieser Diskrepanzen gilt mein Interesse der Seite der Objekte und ihrer Widerständigkeit im praktischen Umgang damit. Kann Materialität als Spur zu einem möglichen anderen gesellschaftlichen Naturverhältnis gelesen werden? Woran wäre dies zu erkennen? Eine Suche danach findet heute unter der gemeinsamen Voraussetzung post-strukturalistischer, sozial-ökologischer und gender-theoretischer Ansätze statt und wird nicht zu reinen und unberührten Kategorien führen. Zunächst: Von wessen Praxis und von welche Erfahrungen sprechen wir hier? Die Antwort erfordert eine Bewegung der Wiederaneignung, denn so hat etwa die Geschlechterforschung gezeigt, dass spezifische Formen des gesellschaftlich-praktischen Naturumgangs durch doppelte Vergesellschaftung und Naturalisierung zum Verschwinden gebracht werden.
Unter den Linden 6, Hörsaal 2002 im Hauptgebäude der HU

 

21.06.14 // 15.30-18.00 Uhr // Vortrag // Von Lust & Ge­fahr, sich im An­de­ren zu ver­lie­ren –  übers Rie­chen als den wohl ge­äch­tets­ten aller Sinne. // Micha Böhme
// Ankündigungstext folgt //
Unter den Linden 6, Hörsaal 2002 im Hauptgebäude der HU

25.06.14 // 20 Uhr // Vortrag // New Materialism oder kritisch-dialektischer Materialismus? Eine Einschätzung der kritischen Potentiale zweiter Metatheorien. // Elmar Flatschart
Ein großer Teil der kritischen Cultural Studies sowie auch feministischer Theorie war während der letzten 25 Jahre stark von einer Hegemonie poststrukturalistischer und postmaterialistischer Ansätze geprägt. Deren metatheoretische Fundamente wendeten sich unter dem Vorzeichen der Dekonstruktion und der Hinwendung zum Diskurs sehr deutlich von Problemen der Materialität bzw. eines kritischen historischen Materialismus ab. Dieser Trend rief aber zusehends auch Kritiken aus dem eigenen Lager hervor und es überrascht wohl nicht, dass gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Krise und der Erosion eines postmodern-neoliberalen ‚Endes der Geschichte‘ die Suche nach materiellen Bezügen wieder an Bedeutung gewinnt. Insbesondere für feministische Theorie ist dieser Trend relevant, da mit einem neuen Materialismus gewisse alte Fragen – z.B. nach Körperlichkeit und dem Naturbezug – wieder gestellt werden (können).
Die Denkrichtung des sogenannten New Materialism, die ihrerseits noch relativ jung ist und kaum als konsolidiert betrachtet werden kann, ist für den neuen materialistischen Turn von großer Bedeutung. Wiewohl der Turn an sich sehr zu begrüßen ist, lässt sich aus der Perspektive älterer Materialismen, welche an marxistischer Gesellschaftstheorie geschult sind und eine kritische realistische Perspektive auf Sozialontologie hochhalten, einiges am New Materialism problematisieren. Im Vortrag sollen einerseits Kritikpunkte am New Materialism bzw. dessen metatheoretischem Fundament präsentiert werden, wobei die letztlich unzureichende Abhebung von anti-realistischen, relativistischen und diskursiv orientierten Ontologien im Vordergrund stehen wird. Andererseits wird das Argument stark gemacht, dass ältere materialistische Ansätze aus dem Umfeld der Frankfurter Schule, welche auf kritisch-dialektische metatheoretischer Annahmen aufbauen, trotz gewissen Überarbeitungsbedarfs immer noch aktuell sind und bessere Entwürfe für die Erklärung gesellschaftstheoretisch relevanter Fragen zu liefern vermögen.
Unter den Linden 6, Hörsaal 3038 im Hauptgebäude der HU

Informationen
Vortragsreihe
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Datum & Uhrzeit

21.06.2014 (Ganztägig)

Ort

Berlin
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